5 Fehler, die man beim Schreiben von Romanen machen kann

Beim Schreiben von Romanen kann man eine Vielzahl von Fehlern machen, es ließen sich über 300 zusammenstellen, wenn man sie im Detail auflistet. Die Schwächen von Manuskripten kann man nach Inhalt, Stil und weiteren Aspekten aufteilen. Dieser Artikel listet einige Probleme auf, die Lektoren in Büchern so finden und woran neue Autoren häufig noch arbeiten müssen:

1. Die Handlung des Romans ist nicht logisch.

Eine Romanhandlung sollte in sich schlüssig sein und einen roten Faden haben. Logisch ist der Plot dann, wenn die Figuren gute Gründe für das haben, was sie tun. Die Figuren brauchen überzeugende Motivationen und äußere Anreize für ihre Handlungen.

Beispiel: Warum hat die Frau ihren Ehemann ermordet? Glaubwürdig wird diese Tat, wenn die Frau schon seit Jahren Gewalt durch ihren Mann ertragen musste und (!) der Mann zur Mordzeit besonders drastisch war, etwa die Frau erwürgen wollte. Dagegen würde der Mord übertrieben wirken, wenn es sonst kaum Streit gab und der Mann die Frau nur mal eben als „Hure“ beschimpft hat.

Abraten möchte ich auch von so „Zwischendingern“, wo man ein Tatmotiv bzw. ein Handlungsmotiv relativiert: „Der Mann beschimpfte sie als Hure. Da wurde sie so wütend, dass sie mit dem Messer auf ihn zeigte. Der Mann erschrak und fiel von der Leiter – direkt auf das Messer.“

Viele Handlungen von jungen Autoren sind nicht komplett unlogisch, aber oft nur semi-überzeugend wie die drittgenannte. Spannender sind Storys von Mörderinnen, die aus voller Überzeugung handeln. Wenn die Beschuldigten schon unschuldig sind, dann sollte ihnen ein Mord durch Intrigen (also durch andere Menschen) angehängt werden und nicht das Erdbeben, die Schwerkraft oder sonst ein rein physikalisches Phänomen der „Täter“ sein.

2. Die Handlung des Buches ist nicht spannend.

Viele Autoren wollen nicht nur logische Handlungen, sondern auch spannende Handlungen schreiben. Das gilt gerade für Genres wie Krimis, Thriller, Mystery, Liebesroman und Fantasy. Für eine spannende Story braucht ein Roman viele Konflikte. Meist gibt es hier einen Hauptkonflikt, bis zu dessen Lösung viele Teil-Konflikte gelöst werden, oder es gibt noch Nebenhandlungen mit Nebenkonflikten. In einem spannenden Roman gibt es zumindest einen Hauptkonflikt und die Handlung zielt am Ende des Buches auf die Lösung des Konfliktes ab (im Krimi etwa: Identifikation und Verhaftung des Täters).

Ungünstig ist es, wenn eine Roman-Figur entweder ständig „Ruhe und Frieden“ hat oder durch ein Konfliktchaos hetzt, das einen zentralen Konflikt vermissen lässt. Beispiel: Im ersten Drittel des Romans hat der Protagonist eine Gerichtsverhandlung, im zweiten Drittel ein Liebesdrama und im letzten Drittel kämpft er um seinen Sieg beim Tennis. Obwohl die Handlung Konflikte hat, gibt es keinen zentralen Konflikt, der die anderen Konflikte rahmt.

3. Der Protagonist hat kein klares Profil.

Die Hauptfigur der Story sollte nicht nur im Kopf des Autors einen Charakter haben, sondern auch der Leser will diese Persönlichkeit erkennen. Einfaches Beispiel: Wenn im Jugendbuch ein Mädchen Sandra heißt, das zweite Katrin und das dritte Lisa, dann möchte der Leser nicht das Gefühl haben, dass man die Rollen aller Mädchen auch tauschen könnte. Gerade in Dialogen zeigt sich öfter, dass Sandra, Katrin und Lisa im Grunde alle gleich sind. Sie denken ähnlich, sie reden ähnlich und mal ist Sandra die Zicke, mal Katrin und mal Lisa. Auch die Rolle der Trösterin fällt mal auf Mädchen 1, mal auf die anderen.

Selbst der Protagonist kann profillos wirken, indem er auf einen Streit mal wütend, mal cool und mal mit Flucht reagiert. Es wird kein klares Prinzip seiner Persönlichkeit erkennbar.

Neben widersprüchlichen Figuren gibt es in Romanen noch die „blassen Figuren“. Das heißt: Der Leser erfährt einfach nicht viel über den Helden. In seine Gedanken- und Gefühlswelt gibt der Autor kaum Einblick. Auch im Dialog mit anderen Figuren antwortet der Protagonist recht neutral. Wenn der Romanheld gefragt wird, ob er heute schon in der Schule war, kann er zum Beispiel antworten mit: „Nein“, „Nö“ oder „Was? Ich soll in diese Klapsmühle?“ Ein schlichtes Nein wäre recht neutral, die anderen Antworten haben einen konkreteren Unterton.

4. Der Autor schreibt mehr für sich als für den Leser.

Man kann an einem Manuskript gut erkennen, ob sich ein Autor um den Leser bemüht oder nicht. Ein Autor, der an die Leserperspektive denkt, versucht verständlich und ansprechend zu schreiben. Weder überhäuft er den Leser mit Infos noch lässt er tausend Fragen offen. Ein guter Autor folgt der Didaktik eines Lehrers. Er fragt sich: „Wie vermittle ich dem Leser den Stoff anschaulich und ansprechend, sodass er ihn beim entspannten Lesen gut aufnehmen kann?“ Das bedeutet: Beschreibungen des Settings sind im Roman gut strukturiert, mit farbigen Worten gestaltet und der Autor hat die richtigen Infos in der richtigen Menge ausgewählt. Dies gilt ebenso für Dialoge, Gedanken und Handlungen der Figuren.

Hier ein Beispiel für eine schlechte Beschreibung: „In der Mitte steht ein Behältnis, oben steht eine Vase und daneben sind weitere Objekte, und von unten kamen Stoffstücke heraus.“

Ein Autor, der an den Leser denkt, wird es eher so gestalten: „Tim schaute das Regal von unten bis oben an. Das untere Fach war mit Pullovern vollgestopft, einige davon quollen sogar auf den Teppich. Im mittleren Fach befand sich eine Glasschale mit blauem Deko-Sand und auf dem obersten Brett stand eine Vase, flankiert von Porzellanfiguren.“

Autor Nummer zwei hat sich also Folgendes überlegt:

  • Der Leser sollte verstehen, dass es hier um ein Regal geht.
  • „Unten, Mitte, Oben“ ist für den Leser einprägsamer als „Mitte, Oben Unten“.
  •  „Glasschale mit Deko-Sand“ klingt für den Leser ansprechender als „Behältnis“ (gilt auch für die anderen Worte).

5. Im Sprachstil gibt es viele Stolpersteine.

Die allerwenigsten Autoren schreiben absolut flüssig und fehlerfrei. Professionelle Autoren schreiben aber nahezu so, während Schreibanfänger hier viele Fehler machen. Beim Sprachstil findet ein Lektor in Manuskripten im Großen und Ganzen zwei Fehlertypen. Fehler 1: Der Satzrhythmus klingt nicht so toll (oder sogar richtig schlecht). Fehler 2: Der Satz ist nicht konform mit dem Konventionen der deutschen Sprache, mit anderen Worten: Das sagt man so nicht. Auch Muttersprachler haben hier häufig einige Probleme.

Beispiel für Fehler 1: „Der Gefahren besonders viele gab es, während durchs Land der Held reiste, in Wäldern.“

So holprig der Satz auch klingen mag, er liegt wohl noch im Rahmen des (altmodisch) grammatisch Korrekten. Die meisten Leser würden in einem Fantasy-Roman aber lieber lesen: „Während der Held durchs Land reiste, begegnete er vielen Gefahren, ganz besonders in Wäldern.“

Beispiel für Fehler 2: „Unterdessen tuckerte der Held durch den Staat und grenzte an viele Gefährdungen, ganz auffällig in Wäldern.“

Ein guter Lektor erkennt diese Stilfehler und kann dem Autor bei Bedarf auch erklären, warum man dies so nicht sagt. Meist wird er das Manuskript aber einfach lektorieren und sich die Begründung für die Korrektur denken, weil derlei Begründungen Zeit kosten (der Lektoratsbeispiel für Beispiel 2 ist übrigens identisch mit der Korrektur des ersten Beispiels). Um dieses Begründen einmal zu machen:

  • „Unterdessen“ sagt man nur, wenn parallel dazu eine andere Handlung stattfindet (etwa der Freund des Helden zur Stadt reist). Hier gibt es aber augenscheinlich nur eine Handlung.
  • „Tuckern“ sagt man, wenn der Protagonist fährt, also nicht wandert und nicht reitet. Zudem muss beim Fahren so etwas wie ein Motorgeräusch entstehen.
  • „Staat“ sollte man hier nicht als Synonym für „Land“ nehmen, da es zu politisch klingt. Mit dem Land scheint hier mehr die bäurische Felderlandschaft gemeint zu sein. Alternativ könnte man noch „Grafschaft“ oder vielleicht „Region“ sagen, es klänge ländlich-historischer als „Staat“.
  • „An Gefahren grenzen“ ist eine schwierige Formulierung. Zudem ist „grenzen“ eher mit etwas Statischem verbunden. Ein Grundstück kann an einen brennenden Wald grenzen, aber ein wandernder Held kann zu Gefahren nur „kommen“ oder ihnen „begegnen“. Sein Wanderweg kann auch an einen Abgrund grenzen, aber konkret so, wie es oben steht, geht’s nicht.
  • „Gefährdungen“ ist hier ein ungünstiges Synonym für „Gefahren“. Sagen wir’s mal so: Man kann von einer „Gefährdung des Helden durch Gefahren“ sprechen. Das klingt zwar nicht schön, wäre aber korrekt. Die Bestien im Wald sind allerdings keine „Gefährdungen“, sondern schon „Gefahren“. Das Wort „Gefährdung“ bezieht sich also auf das zu schützende Objekt (hier: den Helden), nicht auf das Bedrohungsobjekt (hier: die Bestien).
  • „Ganz auffällig“ passt im Satz ebenfalls nicht. Es ginge noch: „auffällig oft“. Wenn der Protagonist den Gefahren „ganz auffällig“ in Wäldern begegnet, würde das noch am ehesten bedeuten, dass man die Bestien im Wald am besten sieht, vielleicht weil dort besonders große Tiere sind. Doch letzten Endes bleibt die Formulierung schief.

Lektorat von Manuskripten oder Autorencoaching?

Beim Lektorat ganzer Manuskripte beschäftigt sich ein Lektor meist mit Textproblemen aus den Bereichen 4 und 5, also dem „wichtigen Kleinkram“. Selbstverständlich macht ein guter Lektor dem Autor im Rahmen des Manuskript-Lektorats auch Verbesserungsvorschläge zu den Punkten 1 bis 3, gerade wenn es hier um Unstimmigkeiten in einer konkreten Szene geht. Manchmal handelt eine Figur in 8 von 10 Szenen glaubwürdig, nur in 2 Szenen passt das Handeln nicht zu ihrer Persönlichkeit. Ähnliches kann man auch zu den Themen Logik und Spannung sagen.

Hat man als Autor aber eher Zweifel, ob die Handlung und die Figuren insgesamt schon ausgereift sind, so sollte man mit einem Lektor kein Lektorat des kompletten Manuskripts vereinbaren, sondern eine Manuskript-Beurteilung, eine Exposé-Beurteilung oder ein Autorencoaching, was häufig auch günstiger ist und mehr auf die Probleme fokussiert, die bei der frühen Phase des Manuskripts am wichtigsten sind.

Bei Interesse an einem Lektorat oder anderen Leistungen rund ums Buch schreiben Sie eine Mail an: professionelles-lektorat[at]t-online.de.

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Die Arbeitsweise des Lektors

Unter Lektoren gibt es verschiedene Typen. Geben Sie einen Roman ins Lektorat, wird bei jedem Lektor ein anderes Ergebnis rauskommen. Nehmen wir mal folgenden Satz:

„Nach einer nicht ganz unerheblichen Weile hatte der Vampir den Entschluss erfasst, die Tür, vor der er stand, nichtsdestotrotz ein Stück zu bewegen, sodass er den Schatz im Inneren der Tür ausmachen konnte.“

Im Folgenden finden Sie sieben Versionen, was Lektoren daraus machen können, und zwar geordnet von wenigen bis vielen Korrekturen. Natürlich gibt es in der Praxis noch mehr Arten von Lektoren bzw. Lektoraten.

1. Der Korrektor-Lektor: Anpassung an die Regeln der deutschen Sprache

Der eine Lektor ist minimalistisch und macht aus dem obigen Satz:

„Nach einer nicht ganz unerheblichen Weile hatte der Dämon den Entschluss gefasst, die Tür, vor der er stand, nichtsdestotrotz ein Stück zu bewegen, sodass er den Schatz im Inneren des Raumes ausmachen konnte.“

Die Änderungen sind hier: „erfasst“ > „gefasst“,  „Innere der Tür“ > „Innere des Raumes“. Der Lektor hat also nur korrigiert, was zwingend nötig war, damit der Satz im Einklang mit den Regeln der deutschen Sprache ist (und mit der sachlichen Logik).

2. Der moderate Kürzungslektor: Streichen von Füllwörtern und Kürzen von Satzteilen

Lektor Nummer zwei traut sich schon mehr. Er mag Füllwörter nicht, ebenso keine allzu langatmigen und umständlichen Formulierungen. Prinzipiell teilt er die Meinungen gewisser Schreibratgeber. Also macht er daraus:

„Nach einer langen Weile hatte der Dämon den Entschluss gefasst, die Tür, vor der er stand, ein Stück zu bewegen, sodass er den Schatz im Inneren des Raumes ausmachen konnte.“

3. Der konsequentere Kürzungslektor: Streichen von weiterem Ballast im Satz

Lektor Nummer drei ist wie Lektor zwei, nur noch konsequenter, was die Prinzipien des schlanken Stils betrifft. Er schaut, wo sonst noch Satzteile sind, die man einfach streichen könnte:

„Nach einer langen Weile fasste der Dämon den Entschluss, die Tür, vor der er stand, ein Stück zu bewegen, sodass er den Schatz im Raum ausmachen konnte.“

4. Der Verben-Lektor: Schwache Verben durch starke Verben ersetzen

Lektor Nummer vier ist sogar noch konsequenter. Er mag keine Modalverben, auch kein Passiv, kein „war“ und „hatte“ und keine Nominalkonstruktionen. Er mag einfache, unkomplizierte Verben, also wird daraus:

„Nach einer langen Weile beschloss der Dämon, die Tür, vor der er stand, zu öffnen, sodass er den Schatz im Raum sah.“

5. Der radikale Kürzungslektor: So schlank wie möglich

Der fünfte Textprofi meint, das alles geht noch schlanker:

„Nach einer Weile beschloss der Dämon, die Tür vor seiner Nase zu öffnen, so dass er den Schatz im Raum sah.“

6. Der Spannungslektor: Spannung erhöhen

Der sechste Textprofi stößt sich noch an der „lahmen Darstellung“. Er stimmt den Ratgebern fürs kreative Schreiben zu, dass man szenisch schreiben solle, am besten noch mit Spannungsbogen:

„Grübelnd stand der Dämon vor der Tür. Schließlich gab er sich einen Ruck und stieß die Tür mit dem Fuß auf. Im Raum erblickte er einen Schatz.“

Oder sogar so:

„Grübelnd stand der Dämon vor der Tür. Er knibbelte am Knauf seines Schwertes herum, sein Mund war trocken, sein Herz schlug fester.  Was erwartete ihn dort drin? Ein Teufel? Ein Drache? Schließlich gab er sich einen Ruck und stieß die Tür mit dem Fuß auf. Im Raum erblickte er einen Schatz.“

7. Der kreative Lektor: den Text ausschmücken

Der siebte Textdienstleister gehört zu der Sorte, die einen Text nicht nur fehlerfrei und flüssig, sondern auch „schön“, „sinnlich“ und „atmosphärisch“ machen will. Er nimmt sich kreative Freiheiten, schmückt aus und ersetzt abstrakte Ausdrücke durch konkrete. Er erfindet wie der Spannungslektor etwas dazu, allerdings auf andere Weise:

„Grübelnd stand der Dämon an der Höllenpforte. Wie ein Drachenmaul erhob diese sich vor ihm. Schließlich gab er sich einen Ruck und stieß das blutbeschmierte Eichenholz mit dem Stiefel auf. Vor ihm ragte ein Berg aus Goldmünzen empor, aus dem Kronen und Silberkelche herauslugten.

Dieser Textprofi war also auf andere Weise kreativ. Es wäre durchaus möglich, aus Version sechs und Version sieben eine Kombi-Lösung für das Manuskript zu finden.

Ein Text, sieben Lektorate

Wie Sie sehen, kann ein Lektor oder eine Lektorin einen Satz nicht nur „kleinhacken“, sondern auch ausschmücken. Das sechste und siebte Lektoratsergebnis sind  sogar etwas länger als das Original – aber auch am weitesten davon weg. Hier haben die Lektoren eine Interpretationsleistung erbracht.

Welches Lektorat ist das beste?

Auf jeden Fall hat sich der siebte Kandidat am meisten Mühe gegeben, am meisten Denk- und Kreativarbeit geleistet. Auch der sechste Lektor hat sich bereits angestrengt (seine zweite Version hat etwa so viel Kreativleistung wie die siebte). Dafür ist bei den anderen fünf Lektoren das Original noch mehr oder weniger erkennbar. Es gibt Autoren, denen das wichtig ist, und Autoren, denen das weniger wichtig ist.

Es kommt darauf an, was ein Autor oder ein Verlag haben will und was der Roman hergibt. Insgesamt haben Lektoren die Tendenz, komplizierte Sätze zu vereinfachen und nicht einfache Sätze zu verkomplizieren. So wird aus einem Satz wie in Version fünf wahrscheinlich nie ein Satz der Version zwei werden. Wiederum gilt vermutlich auch: Lektoren neigen mehr zum „Kleinhacken“ statt zur Erbringung wirklich kreativer Eigenleistungen (die auch ihre Zeit kosten).

Es sei noch gesagt, dass ein Lektor normalerweise nicht das komplette Manuskript umschreibt, auch ein Lektor des Typs 6 und 7 nicht. Nur an großen Schwachstellen wird der Text intensiver umgeschrieben. – Ach ja, und dann gibt es Lektoren, welche die größten Schwachstellen dem Autor  überlassen, also nur einen Kommentar hinzufügen, warum diese Textstelle nicht funktioniert. Bei manchen Problemen ist dies auch ratsam.

Wie wir mein Text lektoriert?

Welche Art Lektorat ein Lektor durchführt, hängt ab von:

  • der persönlichen Arbeitsweise des Lektors
  • den kommunizierten Wünschen des Autors
  • der Qualität des Manuskripts

Allgemein gilt: Je fehlerhafter das Manuskript ist, desto mehr wird der Lektor damit beschäftigt sein, sich mit solchen Dingen wie „Entschluss erfassen“ > „Entschluss fassen“ auseinanderzusetzen statt mit den „ästhetischen“ Aspekten eines Textes. Das Gleiche gilt für die „Farbigkeit“ eines Textes. Wenn der Autor viel mit blassen Begriffen wie „Tür“, „Wand“ und „Tisch“ arbeitet, wird der Lektor den Text oft nur ein Level höher auf der Farbigkeitsstufe bringen (es sei denn, das Honorar ist entsprechend hoch).

Bei den obigen sieben Lektorat-Beispielen lässt sich nicht klar sagen, welche Version des Satzes die beste ist. Es hängt von den Intentionen des Autors ab und welche Zielgruppe er ansprechen möchte. Persönlich bin ich mehr eine Anhängerin des schlanken, farbigen Stils und gebe auch Anregungen für Spannung und kreative Darstellung. Ich kann mich aber auch minimalistisch halten. Oft spürt man bei einem Buch, welches Stilniveau passend ist. Manchmal passt „Tür“ eben besser als „Pforte“, „Portal“ etc. Alle sieben Beispiele oben zeigen, was ich prinzipiell aus einem Satz bzw. Text machen kann. Und es gäbe noch weitere Möglichkeiten.

Wenn Sie möchten, dass ich Ihren Text lektoriere, schreiben Sie mir bitte eine Mail an:

professionelles-lektorat[at]t-online.de

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Was macht ein gutes Lektorat aus? – Teil 2

Bereits im letzten Blogbeitrag habe ich einige Punkte aufgelistet, die aus meiner Sicht ein gutes Lektorat ausmachen. Der Fokus lag auf Stil und Rechtschreibung. In diesem Artikel soll es mehr um das Roman-Lektorat bzw. um die Textarbeit am Inhalt des Manuskripts gehen.

Ein guter Lektor versucht den Autor zu verstehen

Bevor ein guter Lektor „versteh ich nicht“ sagt, sollte er ernsthaft versuchen, den Autor zu verstehen. Er sollte also versuchen zu ergründen: Was will der Autor eigentlich sagen? Was war seine Intention? Was wollte er dem Leser mitteilen? – Und das unterscheidet einen guten Lektor von einem Testleser aus dem Freundeskreis und manchen Rezensenten, die sich in die Kissen zurücklehnen und einfach „versteh ich nicht“ sagen. Nach dem Motto: „Es ist Aufgabe des Autors, dafür zu sorgen, dass der Leser den Text versteht.“

Ein Lektor sollte beim Verstehen des Autors mehr Mühe an den Tag legen. Dabei wird auch ein Lektor immer wieder danebenliegen, denn es liegt in der Natur vieler unlektorierter Texte, dass sie vielfach interpretierbar sind. Als Lektorin mache ich hier bisweilen mehrere Lektoratsvorschläge.

Beispiel: Satz im Manuskript (unlektoriert):

„Die Armee des Helden hatte die feindlichen Heere vernichtend geschlagen.“

Das Beispiel ist hier fiktiv und aus seinem fiktiven Kontext herausgerissen (aus einem Fantasyroman, in dem es Orkkriege, Zwergenkriege und Trollkriege gibt). Aufgrund eines mehrdeutigen Kontextes in diesem Fantasyroman stelle ich mir als Lektorin beispielsweise schon mal Fragen wie:

  • Liegt hier nur ein Rechtschreibfehler vor und es müsste „feindliches Heer“ heißen?
  • Um welche Heere / um welches Heer geht es genau? Welches der drei Fantasyvölker wurde hier besiegt?
  • Zwei Seiten später steht, dass die Helden noch hartnäckig gegen einen Teiltrupp des Heeres kämpfen. Ist das nicht ein Widerspruch zu „vernichtend geschlagen“?

All das sind keine Stilfragen, sondern diese Punkte betreffen  die Story des Manuskripts. Manchmal ergibt sich die Lösung aus dem näheren oder weiteren Kontext und der Lektor macht daraus z. B. einfach:

„Die Armee des Helden hatte das Heer der Zwerge vernichtend geschlagen.“

Lektorat bedeutet oft Vorschläge statt einzig richtige Lösungen präsentieren

Es gibt aber auch Manuskripte, da wird aus dem Kontext nicht eindeutig klar, welche Lösung die richtige ist, ob nun Zwerge, Trolle oder Orks besiegt wurden. In so einem Fall kann ein Lektor diese Fragen nur an den Autor weitergeben oder einen Lektoratsvorschlag „mit Vorsicht“ machen.

Ich vermute mal, ein weniger professioneller Lektor würde den obigen Satz einfach als „einwandfrei“ abhaken und weiterarbeiten – umso mehr, wenn es in all dem Schlachtgetümmel nur wie ein langweiliges Detail erscheint. Aus meiner Sicht ist ein gutes Manuskript aber eines, das auch in solchen Details eindeutig ist. Von „höherer Literatur“ und Gedichten, die bewusst vage sein wollen, rede ich jetzt nicht. Aber auch in diesen Fällen ist nicht jede Mehrdeutigkeit gewünscht. Selbst für „höhere Literatur“ gilt:

Ob die Rose hier das Sinnbild für ewige Liebe oder für vergängliche Liebe ist, kann mehrdeutig bleiben. Ob hingegen der Vater oder der Sohn die Rose aufs Grab der Mutter legt, sollte man dem Leser in der Regel nicht vorenthalten.

Die Motivation der Figuren ergründen – der Lektor auf der Suche

Manche Figuren in Romanen suchen einen Flughafen auf, werden dort in einen Terroranschlag verwickelt und in diverse Folgeaktionen mit Agenten und Verschwörungen verstrickt. Nur: Nie hat der Autor mit einem einzigen Wort erwähnt, was diese Figur ursprünglich am Flughafen wollte. Warum kam sie am heutigen Tag überhaupt hierher? Wohin wollte sie fliegen? Nach Amerika? – Ach ja, und warum? Mit dem Land allein ist zwar das Landesziel, aber noch nicht das eigentliche Ziel der Figur, die Motivation, geklärt.

Ein professioneller Lektor achtet nicht nur darauf, dass die „großen“ Ereignisse des Romans logisch sind, sondern auch darauf, ob Details bei Figuren eine plausible Motivation haben – und das beginnt schon beim Heben eines Arms. Selbst da wird bei einem professionellen Lektorat schon mal die Frage aufgeworfen: Warum hat die Figur den Arm gerade gehoben? Was hat sie dazu veranlasst oder was bezweckt sie damit? Solche Aktionen stehen manchmal ohne Sinn im Text oder der Sinn ist nur schwer erfassbar. Hier kann es der Lektor dem Leser leichter machen, indem er für Eindeutigkeit sorgt, z. B.: „Er hob die Hand, um die Fliege zu verscheuchen, die ihn schon die ganze Zeit belästigte.“ Oder: „Er hob die Hand zum Gruß.“ – Je nach Kontext des Romans.

Prüfen, ob die Protagonisten wirklich gute Gründe für ihre Handlungen haben

Bei guten Romanen ist auch das Fundament von Figurenmotivationen solide. Ein weniger gutes Fundament sieht hingegen so aus:

„Die Terroristen verüben einen Anschlag auf den Flughafen, weil sie wütend auf den amerikanischen Präsidenten sind.“

Bei einem besseren Roman nimmt man nicht vage Wut aus Ursache, sondern einen konkreten Anlass, z. B. könnte der Präsident soeben einen Krieg in ihrem Heimatland ausgelöst haben.

Ein professioneller Lektor hinterfragt auch explizit genannte Gründe der Figuren. Wir alle kennen Ausreden und auch Autoren nutzen sie im Roman. Manuskripte enthalten immer wieder luftige Rechtfertigungen, die einem richtigen Erdbeben nicht standhalten: Ist der Kommissar wirklich wochenlang arbeitsunfähig, wenn das Internet von seinem Bürocomputer nicht funktioniert? Noch nix von öffentlichen PCs, Freundes- und Kollegencomputern gehört? Und muss ein Fantasyheld, der Magie beherrscht, sich wirklich ergeben, nur weil er sein Schwert verloren hat?

In Lektorat werden solche Gründe einer genaueren Prüfung unterzogen. Wobei gilt: Was glaubwürdig ist und was nicht, da sind Leser schon mal verschiedener Meinung. Bei Büchern von Verlagen kann man immer wieder beobachten, wie einige Leser die Story als nicht glaubwürdig einstufen, während andere sie gut aufnehmen. Es gibt aber auch genügend eindeutige Fälle.

Der Lektor als Ideengeber, Rechtfertiger und Lückenfüller

Je unglaubwürdiger eine Figurenreaktion erscheint, desto besser sollte der Autor sie erklären – und wenn er es „vergessen“ hat, dann eben der Lektor.

Beispiel (Manuskript, unlektoriert):

„Wenngleich neben seinem Haus ein Supermarkt lag, ging er heute zu dem Nobelmarkt, der sich fünf Kilometer entfernt befand.“

Meist schreiben Autoren so etwas, weil sie die Figur aus Storygründen woanders hinbugsieren wollen. Wahrscheinlich kann der Held des Romans nur dort über die wohlbetuchte Frau seines Lebens stolpern o. ä. Ein guter Lektor wird aber fragen, was die Figur zu diesem Supermarktwechsel motiviert – und hier nicht esoterische Flicken wie „einer inneren Eingebung folgend“ zulassen (Ausnahme: die Figur ist nachweislich der Esoterik zugetan).

Ein professioneller Lektor gibt dem Autor zumindest ein paar Anregungen für mögliche Gründe der Figur. Diese Gründe können einmal „innere Motivationen“ und einmal „äußere Zwänge“ sein. Ist eine Roman-Figur intrinsisch motiviert, so besucht sie den Nobelmarkt zum Beispiel aus Neugier, wie es in den Geschäften für die Reicheren so aussieht – und diese Neugier wiederum ist entstanden, weil sie vor Kurzem eine TV-Reportage über das heimliche Klassensystem in Deutschland gesehen hat. Man kann aber auch banale äußere Zwänge anführen, etwa hat der Supermarkt vor dem Haus gerade geschlossen, weil der Inventur gemacht wird, die Stromversorgung ausgefallen ist oder ein Brand stattgefunden hat.

Bei einem Lektorat mache ich in solchen Fällen, wo die Motivation oder der Grund fehlt, häufig Vorschläge dieser Art, meist in knapperer Stichpunktform oder ich formuliere eine von mehreren möglichen Lösungen im Text aus. Letztlich entscheidet aber der Autor, welche Lösung er annimmt – das kann auch eine ganz neue sein. Wichtig ist beim Lektorat vor allem, dass dem Autor deutlich wird, wo man noch nacharbeiten sollte.

Unklarheiten im Setting beseitigen – wie im Lektorat Rätsel gelöst werden

Der Autor sieht die Szene seines Romans oft klar vor Augen, wie einen Film. Geradezu banal erscheint es manchem Autor zu schreiben: „Sie öffnete die Tür und ging nach draußen.“ Oder: „In diesem Moment kam die Kriminalbeamtin hinzu.“ Oder: „Er drehte sich um und erblickte einen Polizisten, der auf ihn zuschritt.“

In einigen Manuskripten fehlen solche Zwischensätze und Überleitungen aber immer wieder, was es dem Leser schwieriger macht, dem Geschehen der Szene zu folgen. Das sorgt für Verwirrung oder macht einen Roman zumindest unnötig anspruchsvoll. Wie schon oben geschrieben: Man will als Leser vielleicht darüber nachdenken, ob die Rose ein Sinnbild für ewige oder vergängliche Liebe ist. Aber möchten Sie als Leser durch die Interpretation vager Indizien „austüfteln“ müssen, ob die Figur noch im Wirtshaus steht oder schon draußen ist? Wohl nicht. Diesen Service sollte der Schreiber schon bieten.

Den Autor aufmerksam machen

Ein aufmerksamer Lektor wird über diese Unklarheiten nicht einfach hinwegsehen. Er wird sie entweder beseitigen oder – falls das nicht möglich ist oder einen zu großen Eingriff in den Text bedeuten würde – er macht den Autor zumindest darauf aufmerksam.

Natürlich können auch einem aufmerksamen Lektor unklar beschriebene Settings als ausreichend klar erscheinen – und umgekehrt: Wo 80 Prozent der Leser keine Probleme hätten, da ist gerade der Lektor begriffsstutzig. Jeder Mensch hat andere Lesegewohnheiten, auch jeder Lektor, und das schlägt sich in der Arbeitsweise nieder. Dennoch gehören zu einem guten Lektorat auch Anmerkungen zum Setting, sofern hier Mehrdeutigkeiten bestehen.

Zusammenfassung und Unterschied Lektorat – Autorencoaching

Man könnte den Artikel auch so zusammenfassen: Ein guter Lektor macht sich viele Gedanken zum Text und stöbert auch nach den vielen Teufeln in den inhaltlichen Details.  Das Grundgerüst des Romans insgesamt wird dagegen mehr beim Autorencoaching oder bei einer Manuskriptbeurteilung geprüft.  Zwar ist dies auch Aufgabe des Lektorats, aber ein Roman, der vom Verlag oder vom Autor persönlich bei einem freiberuflichen Lektor vorgelegt wird, soll in der Regel nicht mehr in seinen Grundfesten verändert werden, sondern es geht um den Feinschliff. Ein Lektorat des Manuskripts ist eher eine Leistung für Verlage und Autoren, die der Ansicht sind, dass das Werk so „im Großen und Ganzen“ fertig ist. Das Basteln am Grundkonzept der Story und entsprechende Beratung hierzu zählen mehr in den Bereich des Autorencoachings bzw. Autorentrainings oder auch „kreatives Schreiben lernen“ genannt.

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Was macht ein gutes Lektorat aus? – Teil 1

Viele Autoren und Verlage wollen nicht nur irgendein Lektorat, sondern ein gutes Lektorat. Was aber macht ein professionelles Lektorat aus? Die Antwort in Worte zu fassen, ist gar nicht so einfach, zumal es verschiedene Maßstäbe dafür gibt, wann ein Lektorat „gut“ ist. Im Folgenden finden Sie einige Anhaltspunkte.

Fehlerfreie Rechtschreibung

Oft wird ein sorgfältiges Lektorat mit einem guten Korrektorat in Verbindung gebracht. Nach dem Lektorat erwartet der Kunde, dass das Manuskript orthografisch und grammatisch fehlerfrei ist. Ein perfektes Lektorat ist das Ideal, doch selbst gute Lektoren können es nicht immer erreichen. Der Mensch ist fehlbar, das gilt auch für Lektoren. Dennoch kommt ein guter Lektor deutlich näher an das Ideal der Fehlerfreiheit heran (und oft erreicht er es sogar) als der durchschnittliche Autor

Gute Rechtschreibung

Nicht jeder Text, der in Orthografie, Grammatik und Interpunktion gemäß dem Duden fehlerfrei ist, glänzt mit Leserfreundlichkeit. Ein ganz banales Beispiel: Lesen Sie in einem Text lieber „zweitausendneunhundertachtundfünfzig“ oder „2958“? Und welchen Satz verstehen Sie besser:

„Zu Beginn einer wissenschaftlichen Studie muss, wie bei jeder Studie, ein Konzept, natürlich nach den Forschungsstandards, entworfen werden.“

oder:

„Zu Beginn einer wissenschaftlichen Studie muss wie bei jeder Studie ein Konzept – natürlich nach den Forschungsstandards – entworfen werden.“

So sehr die Kommas den Leser im ersten Satz zum Stolpern bringen, sie sind nicht unbedingt falsch. Nicht umsonst gibt es aber Dudenempfehlungen. Welche Zeichensetzung man als angenehm empfindet, hängt jedoch auch von den eigenen Lesegewohnheiten ab.

Sauberer Stil nach dem Lektorat

Während des Schreibens eines Romans oder eines anderen Textes passieren dem Autor eine Reihe kleinerer und größerer Fehler, die man in den Bereich „unsauberer Stil“ einordnen kann. Man spricht auch von Bezugsfehlern, schiefen Ausdrücken und Stilblüten. Sauber ist ein Stil, wenn er der Logik der deutschen Sprache folgt und die Worte genau das aussagen, was der Autor sagen wollte.

Ein Beispiel:

„Der Vampir verunstaltete sein eigenes Gesicht mit schmerzenden Falten und verwickelte sich seinen blutende Arm mit Hilfe eines Verbands.“

Was der Autor eigentlich sagen wollte:

„Im Gesicht des Vampirs bildeten sich Falten des Schmerzes. Er umwickelte seinen blutenden Arm mit einem Verband.“

Bei manchen Schreibern entstehen solche Fehler lediglich durch eine gewisse Betriebsblindheit beim eigenen Text, aber häufig fehlt Autoren tatsächlich ein gewisser Scharfsinn. Und das unterscheidet einen Autor von einem Lektor. Wer sich für den Beruf des Lektors entscheidet, der ist sich seines besonderen Feingefühls für die deutsche Sprache bewusst. Der kreative Autor hat beim Schreiben meist Fragen im Kopf, welche die Story des Romans betreffen. Die Feinheiten überlässt er gerne dem Lektor.

Vom guten Stil zum schönen Stil

Ein professioneller Lektor sollte nicht nur für einen sauberen Stil sorgen, sondern er macht den Stil auch „schöner“. Das bedeutet, er ersetzt sich wiederholende Wörter durch treffende Synonyme. Auch im Satzbau sorgt er für Abwechslung.

Beispiel (unlektoriert):

„Sie gingen den langen Tunnel entlang. Sie mussten jedoch oft verschnaufen, weil der Tunnel so lang war. Sie kamen wieder an eine Abzweigung. Der nächste Tunnel sah wieder sehr lang aus. Sie verschnauften wieder. Sie hielten ihre Verschnaufpause aber nur kurz und gingen dann wieder den Tunnel entlang.“

Dieser Text erfüllt durchaus das Kriterium des sauberen Stils, aber besonders schön klingt er nicht. Die Wiederholungen bei Wortwahl und Satzbau machen den Text eintönig.

Ein Verbesserungsvorschlag (von vielen):

„Sie gingen den Tunnel entlang. Der Stollen war sehr lang, sodass sie öfter verschnaufen mussten. Bald kamen sie wieder zu einer Abzweigung. Auch der nächste Gang schien in die endlose Schwärze zu führen. Einmal mehr legten sie eine Pause ein. Sie hielten ihre Rast aber nur kurz und marschierten schließlich durch den nächsten Tunnel.“

Vom stockenden und plumpen Stil zum fließenden und eleganten Stil

Um einen stockenden Stil in einen fließenden Stil zu verwandeln, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Manche Manuskripte haben zu viele Attribute, Artikel und Füllwörter, sodass der Lektor hier welche streicht. Andere Bücher wiederum haben zu wenig davon, weshalb der Lektor welche hinzufügt. Ähnlich verhält es sich mit Nomen und Pronomen. Zu viele Nomen machen einen Roman sperrig, zu viele Pronomen lassen den Text vage und plump wirken. Durch ein professionelles Lektorat wird der Text „flüssiger“ und eleganter.

Beispiel (unlektoriert):

„Sie kam. Die Tür mit dem silbernen Rahmen, der goldenen Klinke, der weißen Tür und dem magischen Symbol stand bereits offen. Sie ging rein. Drinnen erwarteten schwarze Magier sie. Sie stellte sich dazu. Warten. Es begann. Der Prozess. Der blondhaarige, hochgewachsene, ältlich wirkende Magier redete jetzt.

Ein Verbesserungsvorschlag (von vielen):

„Sie kam zum Gerichtssaal der schwarzen Magier. Die Tür mit dem Gildensymbol stand bereits offen. Sie trat ein. In der Halle erwarteten sie acht Zauberer mit ernster Miene. Sie stellte sich in ihre Mitte. Jetzt hieß es warten. Mehrere Minuten vergingen, ehe der Prozess begann. Ein älterer Mann mit blondem Haar erhob sich und holte tief Luft für eine lange Rede.

So oder ähnlich könnte ein Lektorat des Beispieltextes aussehen. Beim Verbesserungsvorschlag hat der Lektor bereits eine Interpretationsleistung erbracht. Manche Informationen sind aus der ersten Version nicht zu entnehmen. Ein guter Lektor lektoriert eine Manuskriptseite immer vor dem Hintergrund des Gesamtwerks.

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