5 Fehler, die man beim Schreiben von Romanen machen kann

Beim Schreiben von Romanen kann man eine Vielzahl von Fehlern machen, es ließen sich über 300 zusammenstellen, wenn man sie im Detail auflistet. Die Schwächen von Manuskripten kann man nach Inhalt, Stil und weiteren Aspekten aufteilen. Dieser Artikel listet einige Probleme auf, die Lektoren in Büchern so finden und woran neue Autoren häufig noch arbeiten müssen:

1. Die Handlung des Romans ist nicht logisch.

Eine Romanhandlung sollte in sich schlüssig sein und einen roten Faden haben. Logisch ist der Plot dann, wenn die Figuren gute Gründe für das haben, was sie tun. Die Figuren brauchen überzeugende Motivationen und äußere Anreize für ihre Handlungen.

Beispiel: Warum hat die Frau ihren Ehemann ermordet? Glaubwürdig wird diese Tat, wenn die Frau schon seit Jahren Gewalt durch ihren Mann ertragen musste und (!) der Mann zur Mordzeit besonders drastisch war, etwa die Frau erwürgen wollte. Dagegen würde der Mord übertrieben wirken, wenn es sonst kaum Streit gab und der Mann die Frau nur mal eben als „Hure“ beschimpft hat.

Abraten möchte ich auch von so „Zwischendingern“, wo man ein Tatmotiv bzw. ein Handlungsmotiv relativiert: „Der Mann beschimpfte sie als Hure. Da wurde sie so wütend, dass sie mit dem Messer auf ihn zeigte. Der Mann erschrak und fiel von der Leiter – direkt auf das Messer.“

Viele Handlungen von jungen Autoren sind nicht komplett unlogisch, aber oft nur semi-überzeugend wie die drittgenannte. Spannender sind Storys von Mörderinnen, die aus voller Überzeugung handeln. Wenn die Beschuldigten schon unschuldig sind, dann sollte ihnen ein Mord durch Intrigen (also durch andere Menschen) angehängt werden und nicht das Erdbeben, die Schwerkraft oder sonst ein rein physikalisches Phänomen der „Täter“ sein.

2. Die Handlung des Buches ist nicht spannend.

Viele Autoren wollen nicht nur logische Handlungen, sondern auch spannende Handlungen schreiben. Das gilt gerade für Genres wie Krimis, Thriller, Mystery, Liebesroman und Fantasy. Für eine spannende Story braucht ein Roman viele Konflikte. Meist gibt es hier einen Hauptkonflikt, bis zu dessen Lösung viele Teil-Konflikte gelöst werden, oder es gibt noch Nebenhandlungen mit Nebenkonflikten. In einem spannenden Roman gibt es zumindest einen Hauptkonflikt und die Handlung zielt am Ende des Buches auf die Lösung des Konfliktes ab (im Krimi etwa: Identifikation und Verhaftung des Täters).

Ungünstig ist es, wenn eine Roman-Figur entweder ständig „Ruhe und Frieden“ hat oder durch ein Konfliktchaos hetzt, das einen zentralen Konflikt vermissen lässt. Beispiel: Im ersten Drittel des Romans hat der Protagonist eine Gerichtsverhandlung, im zweiten Drittel ein Liebesdrama und im letzten Drittel kämpft er um seinen Sieg beim Tennis. Obwohl die Handlung Konflikte hat, gibt es keinen zentralen Konflikt, der die anderen Konflikte rahmt.

3. Der Protagonist hat kein klares Profil.

Die Hauptfigur der Story sollte nicht nur im Kopf des Autors einen Charakter haben, sondern auch der Leser will diese Persönlichkeit erkennen. Einfaches Beispiel: Wenn im Jugendbuch ein Mädchen Sandra heißt, das zweite Katrin und das dritte Lisa, dann möchte der Leser nicht das Gefühl haben, dass man die Rollen aller Mädchen auch tauschen könnte. Gerade in Dialogen zeigt sich öfter, dass Sandra, Katrin und Lisa im Grunde alle gleich sind. Sie denken ähnlich, sie reden ähnlich und mal ist Sandra die Zicke, mal Katrin und mal Lisa. Auch die Rolle der Trösterin fällt mal auf Mädchen 1, mal auf die anderen.

Selbst der Protagonist kann profillos wirken, indem er auf einen Streit mal wütend, mal cool und mal mit Flucht reagiert. Es wird kein klares Prinzip seiner Persönlichkeit erkennbar.

Neben widersprüchlichen Figuren gibt es in Romanen noch die „blassen Figuren“. Das heißt: Der Leser erfährt einfach nicht viel über den Helden. In seine Gedanken- und Gefühlswelt gibt der Autor kaum Einblick. Auch im Dialog mit anderen Figuren antwortet der Protagonist recht neutral. Wenn der Romanheld gefragt wird, ob er heute schon in der Schule war, kann er zum Beispiel antworten mit: „Nein“, „Nö“ oder „Was? Ich soll in diese Klapsmühle?“ Ein schlichtes Nein wäre recht neutral, die anderen Antworten haben einen konkreteren Unterton.

4. Der Autor schreibt mehr für sich als für den Leser.

Man kann an einem Manuskript gut erkennen, ob sich ein Autor um den Leser bemüht oder nicht. Ein Autor, der an die Leserperspektive denkt, versucht verständlich und ansprechend zu schreiben. Weder überhäuft er den Leser mit Infos noch lässt er tausend Fragen offen. Ein guter Autor folgt der Didaktik eines Lehrers. Er fragt sich: „Wie vermittle ich dem Leser den Stoff anschaulich und ansprechend, sodass er ihn beim entspannten Lesen gut aufnehmen kann?“ Das bedeutet: Beschreibungen des Settings sind im Roman gut strukturiert, mit farbigen Worten gestaltet und der Autor hat die richtigen Infos in der richtigen Menge ausgewählt. Dies gilt ebenso für Dialoge, Gedanken und Handlungen der Figuren.

Hier ein Beispiel für eine schlechte Beschreibung: „In der Mitte steht ein Behältnis, oben steht eine Vase und daneben sind weitere Objekte, und von unten kamen Stoffstücke heraus.“

Ein Autor, der an den Leser denkt, wird es eher so gestalten: „Tim schaute das Regal von unten bis oben an. Das untere Fach war mit Pullovern vollgestopft, einige davon quollen sogar auf den Teppich. Im mittleren Fach befand sich eine Glasschale mit blauem Deko-Sand und auf dem obersten Brett stand eine Vase, flankiert von Porzellanfiguren.“

Autor Nummer zwei hat sich also Folgendes überlegt:

  • Der Leser sollte verstehen, dass es hier um ein Regal geht.
  • „Unten, Mitte, Oben“ ist für den Leser einprägsamer als „Mitte, Oben Unten“.
  •  „Glasschale mit Deko-Sand“ klingt für den Leser ansprechender als „Behältnis“ (gilt auch für die anderen Worte).

5. Im Sprachstil gibt es viele Stolpersteine.

Die allerwenigsten Autoren schreiben absolut flüssig und fehlerfrei. Professionelle Autoren schreiben aber nahezu so, während Schreibanfänger hier viele Fehler machen. Beim Sprachstil findet ein Lektor in Manuskripten im Großen und Ganzen zwei Fehlertypen. Fehler 1: Der Satzrhythmus klingt nicht so toll (oder sogar richtig schlecht). Fehler 2: Der Satz ist nicht konform mit dem Konventionen der deutschen Sprache, mit anderen Worten: Das sagt man so nicht. Auch Muttersprachler haben hier häufig einige Probleme.

Beispiel für Fehler 1: „Der Gefahren besonders viele gab es, während durchs Land der Held reiste, in Wäldern.“

So holprig der Satz auch klingen mag, er liegt wohl noch im Rahmen des (altmodisch) grammatisch Korrekten. Die meisten Leser würden in einem Fantasy-Roman aber lieber lesen: „Während der Held durchs Land reiste, begegnete er vielen Gefahren, ganz besonders in Wäldern.“

Beispiel für Fehler 2: „Unterdessen tuckerte der Held durch den Staat und grenzte an viele Gefährdungen, ganz auffällig in Wäldern.“

Ein guter Lektor erkennt diese Stilfehler und kann dem Autor bei Bedarf auch erklären, warum man dies so nicht sagt. Meist wird er das Manuskript aber einfach lektorieren und sich die Begründung für die Korrektur denken, weil derlei Begründungen Zeit kosten (der Lektoratsbeispiel für Beispiel 2 ist übrigens identisch mit der Korrektur des ersten Beispiels). Um dieses Begründen einmal zu machen:

  • „Unterdessen“ sagt man nur, wenn parallel dazu eine andere Handlung stattfindet (etwa der Freund des Helden zur Stadt reist). Hier gibt es aber augenscheinlich nur eine Handlung.
  • „Tuckern“ sagt man, wenn der Protagonist fährt, also nicht wandert und nicht reitet. Zudem muss beim Fahren so etwas wie ein Motorgeräusch entstehen.
  • „Staat“ sollte man hier nicht als Synonym für „Land“ nehmen, da es zu politisch klingt. Mit dem Land scheint hier mehr die bäurische Felderlandschaft gemeint zu sein. Alternativ könnte man noch „Grafschaft“ oder vielleicht „Region“ sagen, es klänge ländlich-historischer als „Staat“.
  • „An Gefahren grenzen“ ist eine schwierige Formulierung. Zudem ist „grenzen“ eher mit etwas Statischem verbunden. Ein Grundstück kann an einen brennenden Wald grenzen, aber ein wandernder Held kann zu Gefahren nur „kommen“ oder ihnen „begegnen“. Sein Wanderweg kann auch an einen Abgrund grenzen, aber konkret so, wie es oben steht, geht’s nicht.
  • „Gefährdungen“ ist hier ein ungünstiges Synonym für „Gefahren“. Sagen wir’s mal so: Man kann von einer „Gefährdung des Helden durch Gefahren“ sprechen. Das klingt zwar nicht schön, wäre aber korrekt. Die Bestien im Wald sind allerdings keine „Gefährdungen“, sondern schon „Gefahren“. Das Wort „Gefährdung“ bezieht sich also auf das zu schützende Objekt (hier: den Helden), nicht auf das Bedrohungsobjekt (hier: die Bestien).
  • „Ganz auffällig“ passt im Satz ebenfalls nicht. Es ginge noch: „auffällig oft“. Wenn der Protagonist den Gefahren „ganz auffällig“ in Wäldern begegnet, würde das noch am ehesten bedeuten, dass man die Bestien im Wald am besten sieht, vielleicht weil dort besonders große Tiere sind. Doch letzten Endes bleibt die Formulierung schief.

Lektorat von Manuskripten oder Autorencoaching?

Beim Lektorat ganzer Manuskripte beschäftigt sich ein Lektor meist mit Textproblemen aus den Bereichen 4 und 5, also dem „wichtigen Kleinkram“. Selbstverständlich macht ein guter Lektor dem Autor im Rahmen des Manuskript-Lektorats auch Verbesserungsvorschläge zu den Punkten 1 bis 3, gerade wenn es hier um Unstimmigkeiten in einer konkreten Szene geht. Manchmal handelt eine Figur in 8 von 10 Szenen glaubwürdig, nur in 2 Szenen passt das Handeln nicht zu ihrer Persönlichkeit. Ähnliches kann man auch zu den Themen Logik und Spannung sagen.

Hat man als Autor aber eher Zweifel, ob die Handlung und die Figuren insgesamt schon ausgereift sind, so sollte man mit einem Lektor kein Lektorat des kompletten Manuskripts vereinbaren, sondern eine Manuskript-Beurteilung, eine Exposé-Beurteilung oder ein Autorencoaching, was häufig auch günstiger ist und mehr auf die Probleme fokussiert, die bei der frühen Phase des Manuskripts am wichtigsten sind.

Bei Interesse an einem Lektorat oder anderen Leistungen rund ums Buch schreiben Sie eine Mail an: professionelles-lektorat[at]t-online.de.

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