Was macht ein gutes Lektorat aus? – Teil 1

Viele Autoren und Verlage wollen nicht nur irgendein Lektorat, sondern ein gutes Lektorat. Was aber macht ein professionelles Lektorat aus? Die Antwort in Worte zu fassen, ist gar nicht so einfach, zumal es verschiedene Maßstäbe dafür gibt, wann ein Lektorat „gut“ ist. Im Folgenden finden Sie einige Anhaltspunkte.

Fehlerfreie Rechtschreibung

Oft wird ein sorgfältiges Lektorat mit einem guten Korrektorat in Verbindung gebracht. Nach dem Lektorat erwartet der Kunde, dass das Manuskript orthografisch und grammatisch fehlerfrei ist. Ein perfektes Lektorat ist das Ideal, doch selbst gute Lektoren können es nicht immer erreichen. Der Mensch ist fehlbar, das gilt auch für Lektoren. Dennoch kommt ein guter Lektor deutlich näher an das Ideal der Fehlerfreiheit heran (und oft erreicht er es sogar) als der durchschnittliche Autor

Gute Rechtschreibung

Nicht jeder Text, der in Orthografie, Grammatik und Interpunktion gemäß dem Duden fehlerfrei ist, glänzt mit Leserfreundlichkeit. Ein ganz banales Beispiel: Lesen Sie in einem Text lieber „zweitausendneunhundertachtundfünfzig“ oder „2958“? Und welchen Satz verstehen Sie besser:

„Zu Beginn einer wissenschaftlichen Studie muss, wie bei jeder Studie, ein Konzept, natürlich nach den Forschungsstandards, entworfen werden.“

oder:

„Zu Beginn einer wissenschaftlichen Studie muss wie bei jeder Studie ein Konzept – natürlich nach den Forschungsstandards – entworfen werden.“

So sehr die Kommas den Leser im ersten Satz zum Stolpern bringen, sie sind nicht unbedingt falsch. Nicht umsonst gibt es aber Dudenempfehlungen. Welche Zeichensetzung man als angenehm empfindet, hängt jedoch auch von den eigenen Lesegewohnheiten ab.

Sauberer Stil nach dem Lektorat

Während des Schreibens eines Romans oder eines anderen Textes passieren dem Autor eine Reihe kleinerer und größerer Fehler, die man in den Bereich „unsauberer Stil“ einordnen kann. Man spricht auch von Bezugsfehlern, schiefen Ausdrücken und Stilblüten. Sauber ist ein Stil, wenn er der Logik der deutschen Sprache folgt und die Worte genau das aussagen, was der Autor sagen wollte.

Ein Beispiel:

„Der Vampir verunstaltete sein eigenes Gesicht mit schmerzenden Falten und verwickelte sich seinen blutende Arm mit Hilfe eines Verbands.“

Was der Autor eigentlich sagen wollte:

„Im Gesicht des Vampirs bildeten sich Falten des Schmerzes. Er umwickelte seinen blutenden Arm mit einem Verband.“

Bei manchen Schreibern entstehen solche Fehler lediglich durch eine gewisse Betriebsblindheit beim eigenen Text, aber häufig fehlt Autoren tatsächlich ein gewisser Scharfsinn. Und das unterscheidet einen Autor von einem Lektor. Wer sich für den Beruf des Lektors entscheidet, der ist sich seines besonderen Feingefühls für die deutsche Sprache bewusst. Der kreative Autor hat beim Schreiben meist Fragen im Kopf, welche die Story des Romans betreffen. Die Feinheiten überlässt er gerne dem Lektor.

Vom guten Stil zum schönen Stil

Ein professioneller Lektor sollte nicht nur für einen sauberen Stil sorgen, sondern er macht den Stil auch „schöner“. Das bedeutet, er ersetzt sich wiederholende Wörter durch treffende Synonyme. Auch im Satzbau sorgt er für Abwechslung.

Beispiel (unlektoriert):

„Sie gingen den langen Tunnel entlang. Sie mussten jedoch oft verschnaufen, weil der Tunnel so lang war. Sie kamen wieder an eine Abzweigung. Der nächste Tunnel sah wieder sehr lang aus. Sie verschnauften wieder. Sie hielten ihre Verschnaufpause aber nur kurz und gingen dann wieder den Tunnel entlang.“

Dieser Text erfüllt durchaus das Kriterium des sauberen Stils, aber besonders schön klingt er nicht. Die Wiederholungen bei Wortwahl und Satzbau machen den Text eintönig.

Ein Verbesserungsvorschlag (von vielen):

„Sie gingen den Tunnel entlang. Der Stollen war sehr lang, sodass sie öfter verschnaufen mussten. Bald kamen sie wieder zu einer Abzweigung. Auch der nächste Gang schien in die endlose Schwärze zu führen. Einmal mehr legten sie eine Pause ein. Sie hielten ihre Rast aber nur kurz und marschierten schließlich durch den nächsten Tunnel.“

Vom stockenden und plumpen Stil zum fließenden und eleganten Stil

Um einen stockenden Stil in einen fließenden Stil zu verwandeln, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Manche Manuskripte haben zu viele Attribute, Artikel und Füllwörter, sodass der Lektor hier welche streicht. Andere Bücher wiederum haben zu wenig davon, weshalb der Lektor welche hinzufügt. Ähnlich verhält es sich mit Nomen und Pronomen. Zu viele Nomen machen einen Roman sperrig, zu viele Pronomen lassen den Text vage und plump wirken. Durch ein professionelles Lektorat wird der Text „flüssiger“ und eleganter.

Beispiel (unlektoriert):

„Sie kam. Die Tür mit dem silbernen Rahmen, der goldenen Klinke, der weißen Tür und dem magischen Symbol stand bereits offen. Sie ging rein. Drinnen erwarteten schwarze Magier sie. Sie stellte sich dazu. Warten. Es begann. Der Prozess. Der blondhaarige, hochgewachsene, ältlich wirkende Magier redete jetzt.

Ein Verbesserungsvorschlag (von vielen):

„Sie kam zum Gerichtssaal der schwarzen Magier. Die Tür mit dem Gildensymbol stand bereits offen. Sie trat ein. In der Halle erwarteten sie acht Zauberer mit ernster Miene. Sie stellte sich in ihre Mitte. Jetzt hieß es warten. Mehrere Minuten vergingen, ehe der Prozess begann. Ein älterer Mann mit blondem Haar erhob sich und holte tief Luft für eine lange Rede.

So oder ähnlich könnte ein Lektorat des Beispieltextes aussehen. Beim Verbesserungsvorschlag hat der Lektor bereits eine Interpretationsleistung erbracht. Manche Informationen sind aus der ersten Version nicht zu entnehmen. Ein guter Lektor lektoriert eine Manuskriptseite immer vor dem Hintergrund des Gesamtwerks.

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